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Oliver Schmidt ist Gründungsberater und Innovationsmanager der Freien Universität Berlin, entwickelt Perspektiven der Sozialen Arbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und ist Teil eines Netzwerkes europäischer Universitäten und Hochschulen zur Gründungsförderung. Er erklärt die Welt gerne in Vorträgen und Workshops im Spannungsfeld aus Nachhaltigkeitsmanagement und Unternehmensstrategie.

Dialogfähigkeit und die Organisation von Co-Creation gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zukunft.

Henry Ford sagte vor einhundert Jahren: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Er verkaufte stattdessen Millionen PKW, die er auf revolutionär neue Weise und ganz ohne Dialog produzieren ließ.
Vor zehn Jahren dachten wir, mündige Kunden werden großen Firmen die Produktentwicklung aus der Hand nehmen und über Tauschbörsen, Sharingsysteme und 3-D Drucker selbst organisieren.
Zukunft ist nicht immer vorhersehbar, aber dort wo sie es nicht ist, auf jeden Fall gestaltbar. Das Modell Balanced Environment soll einen Beitrag dazu liefern – im Blog, als Buch (Hanser Verlag, Herbst 2020), als neuer Denkansatz und als offenes, co-kreatives Netzwerk.

Unsere Zukunft sucht noch viele Co-Kreative, die Spaß am Thema Management haben und – wie einst Josef Schumpeter – Lust an schöpferischer Zerstörung alter Denk- und Verhaltensmuster.

„In meinem Leben habe ich dreimal ‚Die Wende‘ erlebt. Meine erste war die ‚geistig moralische Wende‘ durch Helmut Kohl im Jahr 1982. Ich war damals 17 Jahre alt und verstand noch nicht, welcher Art von Verkommenheit sich die sozial-liberale Vorgängerregierung schuldig gemacht haben sollte. Jedenfalls wechselte die FDP unter Hans Dietrich Genscher die Seiten mit dem erklärten Ziel, das Land geistig und moralisch aufzumotzen, Helmut Kohl wurde Kanzler und er blieb es 16 Jahre lang.

Die nächste Wende erwischte mich vor einem Kreuzberger Club, damals ‚Disco‘. Als ich die am späten Abend des 9. Novembers 1989 verließ, waren die Straßen voller Trabis. Einer ihrer Fahrer wies mich freundlich darauf hin, dass am Brandenburger Tor die Mauer auf und die Hölle los sei. Nur wenig später überquerte ich mit meiner Begleitung die Mauer und wir durchschritten, beobachtet von verunsicherten Grenzbeamten der DDR, das Tor.

Deutscher Integrationspreis 2018

Meine dritte Wende schließlich wurde am 14. März 2011 von Angela Merkel angekündigt, vorausgegangen waren Fernsehbilder explodierender Kernkraftwerke in Fukushima. Die Entscheidung, deutsche Meiler sofort herunterzufahren, ihre Sicherheit zu überprüfen und langfristig auszusteigen aus der Atomenergie war einzigartig in Europa, und leitete die Energiewende ein. Man muss kein CDU Wähler sein, um Angela Merkel für ihren trockenen Pragmatismus, gepaart mit Entscheidungskraft, den sie in dieser Situation bewiesen hat, zu danken.

Die Managementwende wird von keiner Kanzlerin jemals ausgerufen werden. Die Frage, welche Managementkultur Entscheidungsträger in den ihnen überantworteten Organisationen, Projekten und Unternehmen pflegen, obliegt allein ihnen und ihren Kontrolleuren: Gesellschaftern, Aufsichtsräten, Aktionärsversammlungen und Betriebsräten.
Und uns, denn es ist eine Frage von gesellschaftlicher Relevanz. Sie entscheidet darüber, wo europäische Unternehmen im globalen Vergleich in Zukunft stehen. Sie entscheidet darüber, welche Autos wir fahren, welche Lebensmittel wir essen und ob wir uns in unseren Kommunikationswelten auf Datenschutz und freien Datenverkehr verlassen können. Wie Unternehmen an der Welt von morgen mitarbeiten ist fundamental wichtig für Fragen, die das Leben jedes Menschen auf diesem Planeten beeinflussen, dazu gehören neue Arbeitszeitmodelle, Umweltschutz und Fragen der Mitbestimmung.
Überlassen wir amerikanischen und asiatischen Unternehmen das Feld, wird nicht alles schlechter – auch wenn hiesige Medien (und vor allem hiesige Unternehmensverbände) diesen Eindruck gerne pflegen. Aber wir in Europa haben dann nicht mehr viel mitzubestimmen, in den Beziehungen zwischen People und Planet, Anbietern und Abnehmern, Unternehmen und Konsumenten.“

Mentor und Stifter Oliver Schmidt und Stipendiatin Bontu Guschke, Studentin der Freien Universität Berlin, auf der 5. Jahresveranstaltung des Deutschlandstipendiums 2015. Berlin, 19.05.2015, Copyright: Thomas Koehler/photothek.net